
Was kostet es, dieses Haus zu sanieren? Diese Frage höre ich bei fast jeder Besichtigung — und die ehrliche Antwort lautet: Das weiß seriös niemand, der das Haus nicht gesehen hat. Als Maurermeister und Bausachverständiger habe ich genug Sanierungen begleitet, um zu wissen: Zwischen zwei äußerlich ähnlichen Häusern desselben Baujahrs können bei den Sanierungskosten Welten liegen. Trotzdem lassen sich Größenordnungen, Reihenfolgen und Kostenfallen sehr wohl benennen — und genau das tue ich in diesem Beitrag.
Eines vorweg: Sie finden hier bewusst keine centgenauen Quadratmeterpreise. Wer Ihnen solche Zahlen ohne Objektkenntnis nennt, verkauft Ihnen Scheingenauigkeit. Was Sie hier bekommen, sind grobe, ehrliche Spannen nach Gewerken, die Logik dahinter — und die Ratschläge, die ich jedem Käufer gebe, bevor er unterschreibt.
Warum Pauschalangaben täuschen
Vier Faktoren entscheiden über die tatsächlichen Kosten — und alle vier variieren von Haus zu Haus erheblich:
- Zustand der Substanz: Ein Dachstuhl, der nur neue Eindeckung braucht, kostet einen Bruchteil eines Dachstuhls, dessen Sparren teilweise erneuert werden müssen. Was unter der Oberfläche steckt, entscheidet — nicht der erste Eindruck.
- Zugänglichkeit: Ein frei stehendes Haus mit Platz fürs Gerüst und die Container saniert sich anders als ein verwinkeltes Reihenmittelhaus in enger Altstadtlage, bei dem jeder Sack Schutt durchs Treppenhaus getragen wird.
- Region und Auslastung: Handwerkerpreise unterscheiden sich regional deutlich und schwanken mit der Auftragslage — derselbe Auftrag kann je nach Zeitpunkt und Ort spürbar unterschiedlich ausfallen.
- Materialwahl und Anspruch: Zwischen solider Standardausstattung und gehobenem Anspruch liegt bei fast jedem Gewerk locker der Faktor zwei — beim Bad gern mehr.
Grobe Spannen nach Gewerken
Die folgende Tabelle nennt bewusst grobe Größenordnungen für ein typisches Einfamilienhaus — Stand 2026, stark objekt- und regionsabhängig, ohne Anspruch auf Übertragbarkeit auf Ihr Objekt. Sie dient dazu, Größenverhältnisse zu verstehen, nicht als Kalkulationsgrundlage:
| Gewerk | Sehr grobe Größenordnung (Stand 2026, stark objekt- und regionsabhängig) |
|---|---|
| Dach neu decken | meist deutlich fünfstellig — je nach Fläche, Eindeckung, Dämmung und Zustand des Stuhls |
| Fenster tauschen | vierstellig pro Element, in Summe schnell fünfstellig — abhängig von Anzahl, Größe und Qualität |
| Heizung erneuern | in der Regel fünfstellig — stark abhängig von System, Wärmeverteilung und nötigen Umbauten |
| Bad komplett sanieren | meist fünfstellig — Größe, Leitungsführung und Ausstattung entscheiden |
| Elektrik komplett erneuern | je nach Hausgröße hoher vierstelliger bis fünfstelliger Bereich, inklusive Schlitzen und Verputzen |
| Fassade dämmen und putzen | meist fünfstellig — Fläche, Dämmstandard und Gerüstkosten schlagen durch |
| Böden und Estrich erneuern | je nach Fläche und Aufbau vierstellig bis fünfstellig |
Wer mehrere dieser Gewerke kombiniert — und bei einer echten Kernsanierung kommen praktisch alle zusammen —, landet in Summe schnell in Bereichen, die einem zweiten Kaufpreis nahekommen können. Genau deshalb gehört die Sanierungsschätzung vor die Kaufentscheidung, nicht dahinter.
Die richtige Reihenfolge: erst Hülle und Technik, dann Oberflächen
Der teuerste Fehler bei Sanierungen ist nicht das falsche Material — es ist die falsche Reihenfolge. Wer zuerst das schöne neue Bad einbaut und zwei Jahre später feststellt, dass die Steigleitungen und die Elektrik durch genau diese Wände müssen, zahlt doppelt. Die bewährte Reihenfolge:
- Substanz sichern: Feuchteschäden, Statik, Schwamm- oder Schädlingsbefall zuerst — alles andere baut darauf auf
- Gebäudehülle: Dach, Fassade, Fenster, Kellerabdichtung — die Hülle muss dicht und gedämmt sein, bevor innen Geld verbaut wird. Die energetischen Anforderungen dafür setzt das Gebäudeenergiegesetz (GEG)
- Technik in der Wand: Elektrik, Wasser- und Abwasserleitungen, Heizungsverteilung — alles, was Schlitze und offene Decken braucht
- Heizungsanlage und Lüftung: abgestimmt auf den neuen Dämmstandard des Hauses, nicht auf den alten
- Innenausbau und Oberflächen: Estrich, Putz, Bäder, Böden, Malerarbeiten — ganz am Schluss, wenn niemand mehr durch fertige Räume muss
Kostenfalle Altbau: Die Wahrheit liegt unter der Oberfläche
Die größten Budgetsprenger sind fast nie die geplanten Arbeiten, sondern die Überraschungen dahinter: der morsche Balkenkopf unter dem intakten Dielenboden, die Stoffleitungen hinter der neuen Tapete, der fehlende Fundamentanschluss unter dem angebauten Wintergarten, Feuchte hinter der Vorsatzschale. Kalkulieren Sie im Altbau grundsätzlich so, dass verdeckte Schäden Sie nicht ruinieren — und öffnen Sie im Zweifel vor der Beauftragung an kritischen Stellen lieber ein kleines Stück Konstruktion, statt sich überraschen zu lassen.
Förderung: ja, aber richtig herum
Für energetische Sanierungen gibt es staatliche Förderprogramme, insbesondere über KfW und BAFA — von zinsgünstigen Krediten bis zu Zuschüssen für einzelne Maßnahmen. Konkrete Sätze und Bedingungen nenne ich hier bewusst nicht, denn sie ändern sich regelmäßig. Wichtig ist die Reihenfolge: Förderung muss in aller Regel vor der Beauftragung beantragt werden, und viele Programme setzen die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten voraus. Prüfen Sie also den aktuellen Stand der Programme, bevor Sie den ersten Auftrag unterschreiben — hinterher ist es meist zu spät.
Puffer und Planung: meine Ratschläge aus der Praxis
Aus jahrelanger Baustellenerfahrung gebe ich Ihnen drei Grundsätze mit. Erstens: Planen Sie einen Puffer von 15 bis 20 Prozent auf die kalkulierten Kosten ein — nicht als Angstzuschlag, sondern weil im Bestand immer etwas zum Vorschein kommt. Zweitens: Holen Sie für größere Gewerke mehrere Angebote ein und achten Sie darauf, dass Leistungen vergleichbar beschrieben sind — die VOB liefert dafür den handwerklich sauberen Rahmen. Drittens: Misstrauen Sie jedem Angebot, das auffällig weit unter allen anderen liegt. Auf dem Bau gilt wie überall: Was zu billig ist, wird am Ende teuer.
Mein wichtigster Rat: Kostenschätzung vor der Kaufentscheidung
Der beste Zeitpunkt für eine Sanierungsschätzung ist vor dem Notartermin — nicht danach. Wenn ich ein Objekt vor dem Kauf begehe, bekommen meine Kunden eine ehrliche Einschätzung, welche Gewerke in welcher Größenordnung anstehen und was davon sofort, mittelfristig oder irgendwann fällig ist. Damit wissen Sie, was Sie wirklich bezahlen: Kaufpreis plus Sanierung. Ich habe schon Käufe platzen sehen, die geplatzt bleiben sollten — und Käufe gerettet, weil eine realistische Zahl die Angst vor dem Altbau genommen hat. Beides ist ein Gewinn.
Sie überlegen, in Oberfranken oder der Oberpfalz ein sanierungsbedürftiges Haus zu kaufen — oder möchten für Ihr eigenes Haus wissen, was realistisch ansteht? Ich begehe das Objekt mit Ihnen als Maurermeister und TÜV-zertifizierter Bausachverständiger und gebe Ihnen eine ehrliche Einordnung nach Gewerken. Das Erstgespräch ist kostenlos.
Häufige Fragen
Kann man Sanierungskosten pauschal pro Quadratmeter angeben?
Seriös nur als sehr grobe Orientierung. Zustand, Zugänglichkeit, Region und Materialwahl verschieben die Kosten von Haus zu Haus erheblich — deshalb ersetzt keine Pauschale die Begehung durch einen Fachmann am konkreten Objekt.
In welcher Reihenfolge sollte ich sanieren?
Erst Substanz sichern, dann Gebäudehülle (Dach, Fassade, Fenster), dann die Technik in den Wänden, dann Heizung — und ganz am Schluss Oberflächen und Ausbau. Wer die Reihenfolge umdreht, reißt fertige Arbeiten wieder auf und zahlt doppelt.
Wie viel Puffer sollte ich einplanen?
Aus meiner Praxis: 15 bis 20 Prozent auf die kalkulierten Kosten, im Altbau eher am oberen Rand. Verdeckte Schäden unter Oberflächen sind im Bestand die Regel, nicht die Ausnahme.
Gibt es Förderung für die Sanierung?
Ja, insbesondere über KfW- und BAFA-Programme für energetische Maßnahmen. Konditionen und Sätze ändern sich aber regelmäßig — prüfen Sie den aktuellen Stand und stellen Sie Anträge grundsätzlich vor der Beauftragung, oft mit Einbindung eines Energieeffizienz-Experten.
Lohnt sich eine Kostenschätzung vor dem Hauskauf überhaupt?
Fast immer. Sie zahlt sich doppelt aus: als realistische Grundlage für die Kaufentscheidung und als Argument in der Preisverhandlung. Die Kosten der Begehung sind im Verhältnis zum Sanierungsvolumen ein Bruchteil.
Grundlagen & Quellen
- · Gebäudeenergiegesetz (GEG) — energetische Anforderungen bei Sanierung im Bestand
- · VOB — Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (Grundlage für Ausschreibung und Ausführung)
- · KfW- und BAFA-Förderprogramme für energetische Sanierung (Konditionen jeweils aktuell prüfen)
- · DIN 276 — Kosten im Bauwesen (Systematik der Kostenermittlung)

Über den Autor
Ralf Scherer
Maurer- und Betonbaumeister, TÜV-zertifizierter Bausachverständiger und Immobilienmakler (§ 34c GewO) in Kemnath. Seit über 20 Jahren auf dem Bau — heute bewerte und vermittle ich Immobilien in Oberfranken & der Oberpfalz mit genau diesem Blick.
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